Leseprobe aus:
Die Zeidlerstochter
Prolog
Nürnberg, 4. Dezember 1457, am Tag der Hl. Barbara
„Dankt Gott dafür, dass sie noch am Leben ist!“, sagte der Medicus und wischte sich mit einem Lappen die Kräutersalbe von den Händen. „Und bedankt Euch bei dem Köter, der sie gefunden hat. Wäre Eure Klara noch länger im Schnee gelegen, so hätte keine Medizin der Welt und kein Gebet mehr helfen können.“ „Und sie wird wieder gesund?“, fragte Matthias und berührte mit der Hand vorsichtig ihre Stirn, als wäre sie eine Seifen blase, die bei der leisesten Berührung platzen konnte. „Macht Euch keine Sorgen!“ Der Medicus schmunzelte, während er Töpfe, Tücher und Tiegel in seine Tasche packte. „Sie ist noch jung. Und wenn sie auf den ersten Blick auch zerbrechlich wirkt, so hat sie doch die Natur eines Ochsen. Haltet sie warm und cremt sie ordentlich mit der Meerrettichsalbe ein. Das Blut muss kräftig durch die Adern fließen, damit es die Wärme und das Leben zurückbringt.“
„Kann ich noch etwas für sie tun?“, fragte Matthias. Der Medicus öffnete die Türe. Ein erfrischend kühler Luftzug strömte durch den dunkel getäfelten Raum, der von zwei Kerzen beleuchtet wurde. „Ihr könnt einen Felsblock vor ihre Türe schieben oder die Bettdecke am Boden festnageln, damit sie nicht mehr schlafend durch die Stadt wandert. Aber jetzt haltet sie warm, junger Mann, und lasst den Kamin nicht kalt werden.“ „Ich danke Euch!“, sagte Matthias und versuchte zu lächeln. „Von ganzem Herzen danke ich Euch. Und nun sagt mir, was ich Euch schuldig bin.“ „Bleibt nur hier und sorgt dafür, dass sie nicht allein ist, wenn sie aufwacht. Und vergesst das Honorar. Ich werde es dem Herrn Kettner unauffällig auf die nächste Rechnung setzen. Ich glaube nicht, dass er von ihrem erneuten Ausflug wissen will.“ „Sicher nicht!“, antwortete Matthias hastig. „Genau wie beim letzten Mal.“ „Und so wie beim nächsten Mal auch“, antwortete der Medicus mit einem grimmigen Lächeln und zog die Türe hinter sich zu. Matthias hörte seine schweren Schritte auf den Stufen der hölzernen Treppe und die Stimme des Türwächters, der ihn mit seiner Blechlaterne zum Tor begleitete.
Dann war es wieder still. Nur das Flüstern des Windes war zu hören und Klaras leises Atmen. Dicke Schneeflocken wirbelten gegen das Fenster. Sie schmolzen an der warmen Scheibe und flossen als dicke, träge Tropfen auf das Fensterbrett hinab. Matthias zog einen hölzernen Schemel neben das Bett, nahm darauf Platz und sah zu, wie eine Strähne des langen, haselnussbraunen Haares im Atemstrom zitterte. Klaras Gesicht war weiß wie die Bettdecke, das Rot ihrer Lippen wirkte unnatürlich dunkel. Die wenigen Sommersprossen auf der Nase und den Wangen hoben sich von der Haut ab wie Tintenkleckse auf hellem Pergament. Einige Schweißperlen, die sich auf der Stirn gebildet hatten, liefen an den Schläfen hinab zum Hals, wo sie vom Stoff des dicken Nachtkleides aufgesaugt wurden.
Dann begannen die Augenlider zu zucken. Klara versuchte, den Mund zu öffnen, und ihre Lippen zitterten, als wollte sie sprechen. Matthias beugte sich zu ihr hinab und hielt sein Ohr ganz nah an ihren Mund. „Ich bin hier“, sagte er leise. „Gut“, flüsterte Klara mit heiserer Stimme. „Das … gut.“ Sie räusperte sich und hustete. Matthias spürte, wie sich Klaras Hände unter der Decke zu bewegen begannen. „Sind sie noch da?“, fragte sie mit brüchiger Stimme. „Es war nur der Medicus“, antwortete Matthias. „Er ist längst gegangen, aber er sagt, dass du wieder gesund wirst.“ „Und die Laternen?“ „Welche Laternen meinst du?“ „Die Lichter und die Leute am Fluss.“ „Keine Spur“, sagte Matthias und richtete sich auf. „Da draußen am Fluss war außer uns kein Mensch und keine Laterne. Es war stockfinstere Nacht. Hätte es dort ein Licht gegeben, so hätte ich es gesehen.“ „Keine Menschen?“, fragte Klara. „Nichts und niemand“, sagte Matthias. „Ich habe nur dich gesehen, in deinem dünnen Kleid wie tot im Schnee, und drei Schritte daneben den Fluss. Ich hätte es nicht einmal bemerkt, wenn die ganze Stadt gebrannt hätte.“ „Danke, Brummbär“, sagte Klara und sah hoch zur Decke.
Matthias erhob sich vom Schemel, ging zum Fenster und blickte hinaus in die Nacht. Der Wind hatte eine Lücke in die Wolkenwand gerissen. Das Mondlicht ließ für einen Moment die schneebedeckten Dächer der Häuser und die Türme der Sebalduskirche silberkalt schimmern. Dann wurde es wieder dunkel. Eine der Kerzen auf dem Nachttisch erlosch. „Was mache ich mit dir?“, fragte Matthias. „Irgendwann läufst du wieder durch die Nacht und ich komme zu spät, um dir zu helfen.“ „Mir ist nichts passiert“, sagte Klara. „Es geht mir gut.“ „Es geht dir gut?“, sagte Matthias und hob die Augenbrauen. „Es geht dir wirklich gut? Du liegst halb erfroren in deinem Bett, du stinkst nach Meerrettichsalbe und du sagst, es geht dir gut?“ Matthias trat nach dem Schemel. Der knallte gegen die Holztruhe am Fußende des Bettes und hinterließ eine tiefe Schramme im Holz. „Wenn der Köter dich nicht gefunden hätte“, sagte Matthias, seine Stimme wurde lauter, „dann lägst du jetzt steif gefroren am Flussufer.“ „Matthias, lass mich bitte …“ „Was hätte ich deinem Vater sagen sollen? Klara ist tot, verehrter Vater. Nein, verehrter Vater, ich habe nicht aufgepasst. Ich habe geschlafen. Sie ist im Nachtkleid und mit Holztrippen an den Füßen durch die Stadt gelaufen und ich hatte sie nicht vor der Kälte schützen können. Tut mir leid, verehrter Vater, aber der Hund, der sie beim letzten Mal gefunden hat, war diese Nacht anderweitig beschäftigt.“ Klara richtete sich in ihrem Bett auf. „Hör jetzt auf damit!“ „Es tut mir leid“, sagte Matthias und setzte sich zu Klara auf den Bettrand. „Ich hatte versprochen, dass ich auf dich auf passe. Und Gott ist mein Zeuge, ich werde es tun, und wenn ich jede Nacht durch die Stadt laufen muss und mich dabei jedes Mal zum Narren mache.“ „Das weiß ich“, sagte Klara und lächelte.
Dann sank sie zurück in ihr Kissen und zog die Bettdecke hoch zum Kinn, während Matthias mit verschränkten Armen aus dem Fenster sah. Ein Rabe landete leise kratzend auf dem Fensterbrett. Er wischte mit seinen Flügeln den Schnee zur Seite und sah neugierig ins Zimmer. Dann schüttelte er den Kopf, breitete die Flügel aus und flog wieder davon. Auch die zweite Kerze war heruntergebrannt. Ihre Flamme klammerte sich kurz an den Docht, leuchtete noch einmal auf und erlosch.
Erster Teil
Das Kind aus den Wäldern
1. Juli 1449
Klara wollte das Meer sehen.
Flink wie eine Katze kletterte sie am Stamm der wind gebeugten Buche hinauf, Schritt für Schritt, Ast für Ast. Dann öffnete sich das Blattwerk und gab den Blick auf den darunterliegenden Wald frei. Klara löste das Seil, das sie sich um die Hüften gewickelt hatte, und schlang es um den Ast, an dem sie sich festhielt. Sie war barfuß und trug nur ein dünnes Leinenhemd, das Haar hatte sie mit einer Hanfschnur nach hinten gebunden. Ihre Füße waren staubgrau wie der sandige Boden und die dünnen, nackten Waden waren von Ästen und Dornen zerkratzt. Langsam und in kleinen Schritten rutschte Klara auf dem Ast nach außen. Dann beugte sie sich nach vorne und schaute hinunter auf den Flickenteppich aus Wald, Feldern und Wiesen.
Klara sah dichten Wald und erdbraune Felder, erkannte Höfe und Dörfer, die am Weg nach Nürnberg lagen. Die weißen Rauchsäulen der Köhlerfeuer neigten sich mit dem Wind und in der Ferne verschmolzen Himmel und Horizont wie die Schalen einer Muschel. Aber das Meer war nirgendwo zu sehen. Einen Moment lang wünschte sich Klara, sie könnte fliegen wie eine Schwalbe, mit dem Wind über die Bäume und hinauf zu den Wolken und über die Berge bis zum Meer. Aber sofort hatte sie Angst, sie könnte zu weit fliegen, den Wald und ihr Zuhause nicht wiederfinden und so hoffte sie, dass der liebe Gott kurz weggehört hatte. Klara beugte sich noch weiter vor.
Unter dem grünen Dach der Bäume und in Richtung der untergehenden Sonne lag das Zeidelgut, auf dem Klara vor über acht Jahren zur Welt gekommen war. Ein schmaler, sandiger Weg führte hinab in eine Senke, wo sich Haus und Scheunen zwischen Bäumen und Büschen versteckten wie Rehkitze im hohen Gras. Nur das Dach des Wohnhauses mit dem gemauerten Kamin ragte über das Buschwerk hinaus. Am Ende des Weges öffnete sich ein Tor, das gerade breit genug für ein Pferdefuhrwerk war. Ein sinnlos gezogener Zaun führte um den Hof herum. Das faule und mit Moos bedeck te Holz war an vielen Stellen gebrochen und von dichtem Buschwerk überwuchert. In der Mitte der Senke reihten sich vier Scheunen um einen kreisrunden Teich. Krumm und baufällig waren sie und sie hielten einander fest wie betrunkene Landsknechte auf dem Weg nach Hause. Zwischen den Hütten war Feuerholz gestapelt und ein knorriger Apfelbaum hatte seine ausladenden Äste wie Arme auf die Dächer gelegt.
Klara war gerade vier Jahre alt geworden, als ihr Vater sie zu den Honigbäumen mitgenommen hatte. Staunend beobachtete die Zeidlerstochter die Männer und Frauen, die in über sechs Metern Höhe die Spitzen der Bäume abschnitten. Sie höhlten die Stämme mit Beilen und Messern so weit aus, dass ein Wildbienenvolk darin Platz fand, und setzten Bretter davor. Die Zeidler nannten die Höhlen Beuten und nur die erfahrenen Honigbauern wussten, welche Bäume dafür geeignet waren. Mit einem Seil gesichert oder auf dünnen und brüchigen Leitern stiegen die Zeidler an den Baumstämmen hinauf. Klara war sich völlig sicher, dass sie das niemals schaffen würde. Eher würde sie sterben. Entweder aus Angst oder durch einen Sturz in die Tiefe. Doch ihr Vater, der erfahrene Zeidler, nahm sich Zeit für sie. Meter für Meter stieg er mit seiner Tochter höher und höher auf die Bäume, und eines Tages saß auch Klara auf einem dünnen Brett hoch über dem Boden und schnitt mit dem Messer die Honigwaben aus den Beuten.
Nach einigen Monaten war von der Angst nichts mehr zu spüren und Klara kletterte an den Bäumen auf und ab wie ein Eichhörnchen. Oft suchte sie nach herrenlosen Wildbienenvölkern, die sich in den Baumhöhlen eingenistet hatten. Wenn sie ein Volk gefunden hatte, setzte sie mit dem Zeidlersbeil das Zeichen ihres Vaters in den Stamm und rannte stolz nach Hause. Allerdings gaben die Bienen ihren Honig nicht kampflos ab. Deshalb trug Klara eine Zeidlerpfeife bei sich, in der allerlei stinkende Kräuter verbrannt wurden. Klara hasste die Pfeife und fragte sich oft, ob die Stiche der Bienen nicht angenehmer wären als der entsetzliche Qualm aus der Pfeife. Aber sie lernte, damit zu leben. Vier Jahre später leistete Klara die gleiche Arbeit wie die übrigen Zeidler und wenn sie abends müde und mit dem Kopf auf den Beinen ihres Vaters einschlief, spürte sie, wie er sanft über ihr Haar strich. „Wenn du glücklich und ganz leise bist“, sagte er oft, „dann kannst du zwischen dem Summen der Bienen und dem Flüstern der Blätter das Lachen der Sterne hören.“
Das Leben der Zeidlerstochter war ein Mosaik aus Heidekraut und dem harzigen Geruch des Waldes, dem warmen Sand zwischen den Zehen und den ersten Schneeflocken auf der Zunge. Sie war wie ein Fisch, der munter durch den Weiher schwimmt und nichts von der Welt jenseits des Wassers weiß.
***
Dann kam der Honigmann.
Er war ein Händler aus Nürnberg und trug trotz der Hitze einen schweren, schwarzen Mantel, Handschuhe und auf dem Kopf ein Barett. Sein Gesicht war glattrasiert und sei ne Nase erinnerte Klara an einen Raubvogel. Wenn er lachte, waren seine Augen zugekniffen und dünn wie ein Strich. Der Honigmann saß auf einem Schimmel und wurde von zwei bewaffneten Reitern begleitet. Sie trugen Schwerter und Lanzen und blickten grimmig, hielten sich aber vom Zeidelhof fern. Der Händler sprach lange mit dem Vater und ritt bald wieder davon. Zwei Wochen später kam er mit einem Pferdefuhrwerk zu rück. Klara weinte, als der Händler all den Honig auflud, den sie mit ihrem Vater aus den Baumhöhlen und Beuten geerntet hatte.
Der Vater und die Zeidler aus den umliegenden Höfen aber freuten sich und am Abend feierten sie auf dem Zeidelgut in Moorenbrunn mit Bier und Honigwein, dick belegten Fleischtellern und frisch gebackenem Brot. Dazu gab es klebrig süße Honigkuchen, auf denen sich Bienen sammelten. Der Vater trug an diesem Abend stolz die Zeidlerstracht mit der grünen Leinenjacke, der gelben Bundhose und der Zipfelmütze. Auf der Bank neben ihm lag die glänzend polierte Armbrust und darunter ein Köcher mit Bolzen. Er schien mit sich und der Welt und dem Honigmann zufrieden zu sein. Am nächsten Morgen erwachte der Vater mit geschwollenen Augen und Kopfschmerzen unter der Bank. Sein helles Haar stand in alle Richtungen ab, im Bart glänzten Fleischfett und Honig, und die Armbrust hielt er so fest und liebevoll um klammert, als wäre es seine Frau.
Der Honigmann kam jeden Monat wieder und holte Wachs und Honig ab. Er war so berechenbar wie der Mond und nur im Winter blieb er fort. Eines Tages erzählte er den Kindern von einer Stadt auf dem Wasser, weit hinter den Bergen, wo es keine Straßen gab und wo Boote wie Kutschen zwischen den Häusern fuhren. Dahinter lag ein grenzenloses Meer, das tiefer war, als ein Kirchturm hoch ist, und darin gab es Fische, die größer waren als der Zeidelhof mit seinem Wohnhaus und den vier Scheunen zusammen. „Du erzählst mächtig viel Unsinn“, sagte Klara eines Tages zum Honigmann. „Magst recht haben“, antwortete er, ohne Klara dabei anzusehen. Er steckte den Zeigefinger in einen Krug mit Honig und leckte ihn langsam ab. Ein Honigtropfen fiel auf den schwarzen Mantel und glänzte dort wie eine Bernsteinperle.
„Lass dir von meinem Vater erzählen“, sagte der Honigmann nach einer kurzen Pause. „Er war ein Nürnberger Drahtzieher und er wusste nicht viel von der Welt. Sein Leben lang saß er vor dem Zieheisen und zog Drähte. Nur Drähte, jeden Tag Drähte und nichts mehr als verschieden dicke Drähte. Und am Abend trank er Wein, um zu vergessen, dass er nur Drähte zog. Kurz vor seinem Tod hat er mir etwas geschenkt. Viel Geld hatte er nicht, aber er hat mich einen Satz auswendig lernen lassen.“ „Nur einen Satz?“, fragte Klara ungläubig. „Das ist mächtig wenig.“ „Nur den einen Satz“, antwortete der Honigmann.
„Pass auf: Glaube nichts, nur weil du es glauben willst, und belüge niemanden, um ihn vor der Wahrheit zu schonen.“
„Das ist alles?“ „Das war alles.“ „Und was war dann?“ „Vier Tage später ist er sturzbetrunken vor ein Pferdefuhr werk gelaufen. Er war auf der Stelle tot.“ „Mächtig viel Unsinn“, sagte Klara. Der Honigmann schüttelte stumm den Kopf. „Wie alt muss ich werden, damit ich den Unsinn verstehe?“, fragte Klara. Der Honigmann hob die Schultern und lachte. „Keine Ahnung. Merk dir den Satz, er wird dir helfen. Wirst noch an mich denken.“ „Und das Meer und die riesengroßen Fische?“, fragte Klara. „Kann man das Meer von hier sehen?“ „Die Stadt auf dem Wasser liegt hinter den Bergen“, antwortete der Händler. „Es ist weiter entfernt, als du dir vorstellen kannst.“ „Weiter als Feucht und Moorenbrunn?“ „Weiter als beides zusammen.“ „Das ist mächtig weit“, sagte Klara. „Wie lange braucht man, um zum Meer zu kommen?“ „Länger als dreimal nach Feucht und Moorenbrunn und wie der zurück“, antwortete der Honigmann. „Ein Reiter, der gut über die Berge kommt, braucht eine Woche, und über zwei Wochen braucht ein Wagenzug.“ „Mächtig weit“, sagte Klara nachdenklich. „Und wenn ich auf einen Baum steige, nach ganz oben, kann ich dann das Meer und die Stadt auf dem Wasser sehen?“ „Dann sollte der Baum sehr hoch sein“, sagte der Honigmann und fuhr bald darauf mit dem Honig davon.
Von diesem Tag an kletterte Klara auf jeden Baum, der ihr hoch genug schien, um das Meer zu sehen. Eines Tages entdeckte sie die Buche, die weit über den Fichtenwald hinaus ragte. Ihre Wurzeln krallten sich wie ein Raubvogel in den Boden und über die Kante eines Sandsteinfelsens. Der Stamm war vom Wind gebeugt und unter ihm lag der aufgelassene Steinbruch, der den Baum noch höher erscheinen ließ. „Genau hier und genau dieser Baum“, dachte Klara und kletterte hinauf. Aber auch an diesem Tag sah sie nur Wald, Felder und die Schwalben, die auf der Jagd nach Fliegen ihre Kreise zogen. Missmutig stieg sie vom Baum herab. Sie wickelte sich das Seil um die Hüften und sah noch einmal am Stamm der Buche nach oben. „Gut“, sagte sie trotzig, „dann eben noch höher!“